Vom Stirnlampenlauf zum Kreißsaal

Immer noch kämpfe ich mit dem Jetlag und in 4 Tagen startet um 6:00 morgens der Halbmarathon in Kaohsiung. Irgendwie muss ich meine Rhythmus umstellen. Deshalb klingelt der Wecker heute um 5:00 in der Früh.
Meine Lauffreunde in Berlin kennen das ja: Um diese Jahreszeit geht die Sonne später auf und früh unter (LOL). Da hilft nur eine Stirnlampe und auch warme Laufkleidung. Letztere ist hier in Taiwan nicht erforderlich, hier sind es minimal 17 Grad in der Nacht. Die Dämmerung hier ist sehr kurz, eine halbe Stunde von 0 auf 90%. 

Nach einer kühlen Blitzdusche schlüpfe ich in die Laufsachen, mein Laufhandy liegt bereit, die kleine Warnweste hängt an der Wand. Doch wo ist die Stirnlampe? Unterm Tisch? Nein. Bei den anderen Laufsachen? Auch nicht. Im Rucksack? Klar auch nicht. Im Moment ist es noch zu dunkel und der Weg über dir Felder ist zu gefährlich. Also noch 20 Minuten warten.

Um viertel vor sechs stehe ich draußen. Auf den Straßen leuchten die LED-Laternen. Einige Autos und Roller sind unterwegs, auch ein paar Ältere walken. Das ist wirklich verrückt. In Taiwan bewegen sich viel Mehr Menschen gezielt als bei uns.
Die engen Gassen in dem alten Dorf sind auch gut beleuchtet. Auch hier sind die ersten Bewegungsfetischisten unterwegs.
Aus dem Dorf raus auf den Feldern schimmert schon das Morgenrot. Das Licht reicht nun schon aus um gefahrloser zu laufen. Die Luft ist frisch und der Tag lädt zu einem schönen Lauf ein. Auf dem Weg zu LM versucht eine Walkerin das Farbenspektakel fotografisch einzufangen. Leider liegen die entfernten Berge hinter einem Dunstschleier. Ein alter Mann hackt in seinem Acker.

Am See in LM ist der Teufel los. In der Luft frühstücken unzählige Fledermäuse und um den See bewegen sich sehr viele Menschen. Auch die Sportgeräte sind bevölkert. 
Nach zwei Temporunden um den See mache ich mich wieder auf den Rückweg. Diesmal über den direktesten Weg. Es wird deutlich wärmer. Das alte Mann auf dem Feld hat auch schon sein Hemd ausgezogen.

Vorbei an dem Tempel und der Grundschule stehe ich vor Hannas & Wei Siangs Haus. Leise trete ich ein, um keinen wach zu machen. Oben höre ich jedoch Wei Siang an Ritas Tür klopfen und ihren Namen rufen. Ich melde mich und renne die Treppen rauf. Er kommt mir entgegen: Hanna hatte gerade einen Blasensprung.

Nach einem kurzen Telefonat mit der Klinik ist klar, wir können noch in Ruhe frühstücken. Hier hat jedes Schlafzimmer eine Duschmöglichkeit, also hopp- hopp schnell etwas herrichten und etwas essen.

Wir fahren rein nach Tainan zur Entbindungs- und Kinderklinik. Was für ein Glück, dass Wei Siang noch nicht zur Arbeit war. Jetzt im Berufsverkehr mit den vielen Rollern ist es eine Kunst sich den Weg zu bahnen. Und er kennt die Schleichwege.

Wir können mit in den 2nd Floor. Diese Etage sieht nicht aus wie die eines Krankenhauses. Die Schwestern tragen alle dunkelblaue Strickjacken und wir sitzen derweil auf einem langen Sofa. Hanna wir irgendwohin geführt und Wei Siang kümmert sich um die Formalien. Überraschend umfangreich ist der ganze Schriftkram. Wie wir das ohne Sprachkenntnisse hätten regeln sollen…

Nachdem alles geklärt ist, verabschieden wir uns von Hanna & Wei Siang. Nun heißt es warten. Zuerst laufen wir noch etwas in den umliegenden Straßen und einem Park herum, doch es wird immer wärmer. Also zischen wir einen Limo im nahegelegenen 7/eleven.

Dann kommt ein Anruf von Wei Siang. Die Spannung steigt. Ach so, es wird noch dauern. Wir können erstmal wieder nach Hause fahren. Er gibt dann Bescheid. Nach ein paar Sachen eingekauft und in der mittlerweile richtig knallenden Sonne trollen wir uns zum nächsten Bahnhof.

Zuhause warten wir auf Neuigkeiten. Die lassen erst mal auf sich warten. Am Abend kommt dann die Nachricht: Andreas Iven ist geboren. Mann, bin ich happy und froh, so früh heute aufgestanden zu sein.

Später fragt mich Wei Siang, ob wir im 7/eleven gegenüber gewartet hätten, einer der Ärzte war auch dort und hatte zwei westlich aussehende Menschen entdeckt. Die Welt ist klein und voller Überraschungen. Die aller tollste werden wir erst einige Tage später persönlich kennenlernen – unser Enkelkind.

Im Nachhinein war es ein perfektes Timing. Am Tag vorher hatten wir noch Kekse gebacken und am Nachmittag einen langen Spaziergang in einem etwas hügeligen Park gemacht.

← Vorheriger Beitrag

Nächster Beitrag →

2 Kommentare

  1. Bärbel Otto

    Lieber Martin …der Marathonlauf bei den Temperaturen … wow …hier sind z Zt -8Grad …❄️☃️die Fotos sind toll .. wie dabei zu sein ❤️☃️❄️🕯️🕯️der 1.Advent für die gr Familie … zusammen … lGBärbel

  2. Hallo Martin,
    Wieder tolle Fotos! Als wäre ich mit dabei!
    Herzliche Glückwünsche zum Enkelsohn.
    Liebe Grüße aus Herne

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert